Deutschlandweit versandkostenfrei!
Warenkorb

Palmöl und seine Verwendung in der Kosmetikindustrie – eine Meinung

Von Kira-Janice Laut am
Palmöl und seine Verwendung in der Kosmetikindustrie – eine Meinung

Palmöl wird keine guten Eigenschaften bezüglich Herkunft und Verwendung zugeschrieben. Bei Palmöl denkt der Konsument an gerodete Regenwaldflächen, seltene Tierarten die dadurch verschwinden und Waldbewohner, die brutal von ihrem Land vertrieben werden. Schuld an diesen Schauderszenarien sind die Praktiken mancher Rohstofflieferanten.

Trotz der bekannten Probleme mit diesen Rohstofflieferanten kommt Palmöl in unzähligen Produkten vor. Von der Kosmetik bis hin zu Lebensmitteln. Doch die Verwendung ist sehr oft nicht direkt erkennbar; insbesondere in Kosmetikprodukten. Denn nur selten wird Palmöl direkt verwendet und man findet es 1-zu-1 in der Liste der Inhaltsstoffe. Stattdessen gibt es zahlreiche Rohstoffe, die Abkömmlinge von Palmöl sind oder mithilfe von Palmöl gewonnen werden.

Allgemein trifft das auf folgende Inhaltsstoffe zu, die vor allem in Kosmetika vorkommen (es gibt aber noch deutlich mehr):

  • Sodium Lauryl Sulfoacetate
  • Cetyl Palmitate
  • Cetearyl Alcohol
  • Cetyl Alcohol
  • Glyceryl Stearate
  • PEG-100 Stearate
  • Polyglyceryl-2-Caprate
  • Stearic Acid
  • Magnesium Stearate
  • Glycerin (bei veganen Produkten entweder aus Kokosöl oder Palmöl hergestellt)
  • Sodium Cetearyl Sulfate
  • Steareth -20
  • Zink Stearate

Der Preis eines Kosmetikproduktes ist übrigens kein Anhaltspunkt für die Nutzung von Palmöl oder dessen Abkömmlinge. High-end, günstige und dekorative Kosmetik sowie auch Naturkosmetik – überall kommt es vor.

Doch bevor man nun alle Kosmetikhersteller für die Vertreibung von Urwaldbewohnern zur Rechenschafft zieht, muss man einen Schritt zurück gehen. Warum kommt Palmöl (und dessen Abkömmlinge) eigentlich in so vielen Kosmetika vor? Die Antwort überrascht euch vielleicht: Weil sich diese Stoffe als hervorragende Emulgatoren (Bindemittel) in kosmetischen Texturen bewiesen haben. Jahrelang waren es genau diese Inhaltsstoffe, die Hautcremes und andere Pflegeprodukte zu ihrer Konsistenz und ihrem Hautgefühl geholfen und die Konsumenten glücklich gemacht haben.

Mit diesem Wissen als Basis kann man dann wieder zur Urwald-Diskussion kommen. Es ist also nicht das Palmöl an sich, das der Haut schadet oder schlecht ist. Ganz im Gegenteil! Es sind die Lieferanten, die das Palmöl rücksichtlos und profitgetrieben gewinnen, und die damit die oben genannten Schauderszenarien verursachen.

An dieser Stelle kommen die guten News für euch: Nicht alle Lieferanten von Palmöl sind schwarze Schafe. Es gibt auch kontrolliert bewirtschaftete Ölpalmen-Wälder. Dort wird aufgeforstet und die Umwelt respektiert. Die Organisation „Sustainable Palm Oil“ beispielsweise vereint alle Palmöl-Hersteller, die verantwortungsvoll mit den Ressourcen umgehen (schaut dazu gerne auf https://www.rspo.org/ nach, was die so machen).

Ihr müsst also nicht alle Kosmetikprodukte verbannen, nur weil einer der Inhaltsstoffe in der Textur aus Palmöl hergestellt ist. Aber wie könnt ihr erkennen, woher das Palmöl kommt? Eigentlich einfach: ihr müsst auf die Rohstoffdatenblätter der Rohstofflieferanten schauen. Solche Rohstoffdatenblätter gehen eine ganze Ecke weiter als die bekannte „INCI-Liste“ auf dem Produkt. Auf Rohstoffdatenblättern erkennt man die genaue Herkunft und auch die Herstellung des jeweiligen Rohstoffes.

Aber wie kommt man an so ein Rohstoffdatenblatt? Der direkte Weg geht über den Kosmetikhersteller. Schreibt einfach eine E-Mail an den Kundenservice (oder ruft an) mit der Bitte um Transparenz bzgl. der Inhaltsstoffe, die aus Palmöl gewonnen werden. Ein guter Hersteller gibt euch dazu dann auch Auskunft. Insbesondere wenn er nichts zu verbergen hat. Der indirekte Weg geht über Online-Plattformen wie zum Beispiel codecheck.com. Dort wird in der Regel geprüft, woher die Inhaltsstoffe in Kosmetikprodukten kommen. Als Quellen zieht CodeCheck Hersteller-Scorecards von Greenpeace und WWF sowie Informationen über Zertifizierungs-Label heran. An diesen Quellen erkennt ihr, dass auch CodeCheck nicht allwissend ist. Somit bitten wir euch - so toll wir die Arbeit von CodeCheck finden - bleibt stets kritisch und mündig, was die angezeigten Informationen angeht. Achtet auf die Quellen und fragt im Zweifel noch einmal nach!

Ihr seht, man kann also selbst herausfinden, ob das Palmöl (oder dessen Abkömmlinge) in eurer Kosmetik eine faire Herkunft hat (haben). Das ist zwar mit etwas eigener Anstrengung verbunden, aber somit seid ihr sicher, was ihr nutzt, und müsst nicht alle Kosmetikprodukte per se boykottieren.

Wir hoffen, wir konnten euch mit diesem Post ein wenig Klarheit zu Palmöl geben. Ein Schwarz-Weiß-Denken ist dabei, wie so oft, schwierig. Denn Palmöl ist in Kosmetika kaum vermeidbar oder austauschbar. Stattdessen sollte darauf geachtet werden, woher der Rohstoff wirklich kommt. Für Kosmetikhersteller spielt die Wahl des Rohstofflieferanten daher die größte Rolle – nicht der Verzicht auf Palmöl. Unser Hinweis zu den Rohstoffdatenblättern kann euch hoffentlich helfen einen Weg für euch zu finden, um mündig mit dem Thema „Palmöl in Kosmetik“ umzugehen.

Älterer Post