-20% mit "CULT.LOVES.SUMMER20"
Warenkorb

Zertifizierungen und Siegel für Naturkosmetik – eine Meinung

Von Kira-Janice Laut am
Zertifizierungen und Siegel für Naturkosmetik – eine Meinung

Viele von euch wissen es bereits, der Begriff Naturkosmetik ist rechtlich nicht geschützt. Das heißt, jeder Kosmetikproduzent kann theoretisch ein Produkt als Naturkosmetik bezeichnen, unabhängig davon, ob es wirklich ein Naturkosmetikprodukt ist. Die Konsequenz für euch als Endkonsumenten: der Begriff Naturkosmetik hat keinerlei Wert oder Bedeutung. Sucht ihr nach natürlicher Kosmetik, dann müsst ihr euch eigentlich mit den Inhaltsstoffen auseinandersetzen. Denn nur so könnt ihr wirklich Naturkosmetik finden und kaufen.

Eigentlich. Denn zum Glück gibt es ja Naturkosmetiksiegel! So ein Siegel, das die Natürlichkeit von Kosmetikprodukten zertifiziert, nimmt einem den Aufwand ab, sich durch die Inhaltsstoffliste zu arbeiten und jeden einzelnen Rohstoff zu prüfen. Puh, Glück gehabt! Oder doch nicht?

Mit diesem Blogpost möchte ich euch meine Sicht auf die Zertifizierungen und Siegel für Naturkosmetik geben. Diese Sicht basiert auf meiner langjährige Erfahrung in der Kosmetikbranche und wurde noch geschärft durch meine Rolle als Geschäftsführerin der natürlich Kosmetikmarke cult.care. Ich schreibe es vorneweg: Ich stehe den Zertifizierungen und Siegeln für Naturkosmetik kritisch gegenüber. Denn leider sind diese Siegel nicht so unabhängig, wie wir es alle gerne hätten. Zudem sind sie nicht stringent und verlässlich aussagekräftig für natürliche oder gar nachhaltige Produkte und obendrein noch sehr kostspielig.

Aber der Reihe nach. Das Kernproblem ist der nicht geschützte Begriff Naturkosmetik. Konsumenten lesen den Begriff und vertrauen darauf, obwohl sie wissen, dass er nicht geschützt ist. Denn wer hat denn auch wirklich die Lust sich so detailliert mit Inhaltsstoffen auseinanderzusetzen? Viel zu kompliziert. Diese Situation ist dann „schlecht“ für den Konsument, wenn es Kosmetikproduzenten gibt, die diese Lücke ausnutzen. Aber wisst ihr für wen das noch schlecht ist? Für die Hersteller von tatsächlicher natürlicher Kosmetik. Denn die können sich nicht von den „schwarzen Schafen“ differenzieren. Also haben sich die großen Hersteller von Naturkosmetik etwas überlegt. Sie haben sich zusammengetan und haben eine Logik für Zertifizierungen und Siegel entwickelt. Ein System, bei dem es gewisse Anforderungen gibt, die Kosmetikprodukte erfüllen müssen, um ein Siegel zu erhalten. Schaut man nur auf die Idee des Siegels an sich, ist die eigentlich ganz gut. Eigentlich. Denn die Motivation hinter den Siegeln ist nicht der Konsumentenschutz, sondern die Marktverteidigung gegenüber den möglichen schwarzen Schafen.

In Europa findet man heute eine Handvoll konkurrierender Naturkosmetiksiegel, jedes Einzelne gelenkt von den großen europäischen Herstellern von Naturkosmetik. Teilwiese direkt von einem Unternehmen, teilweise über Zusammenschlüsse/ Verbände (z.B. Natrue, BDIH, ECOCERT). Schaut am besten selbst mal auf den Websites der Siegel nach; jedes hat große Hersteller von Naturkosmetik im Hintergrund. Daran erkennt ihr direkt: die Siegel sind alles andere als unabhängig. Es wird nicht etwa von einem naturüberzeugten und -interessierten Dritten geprüft, wie natürlich Kosmetika sind. Es prüfen stattdessen Labore, die mit den großen Herstellern zusammenarbeiten. Randnotiz: So ein Labor muss sich gegen Bezahlung als Prüflabor zertifizieren lassen.

Weiterhin ist die Aussagekraft der heutigen Siegel äußerst fragwürdig. Also das System und die Kriterien hinter den Siegeln. Ohne Marken und Namen zu nennen, geht doch mal in eure Drogerie des Vertrauens durch die Regale und sucht euch ein paar zertifizierte Naturkosmetikprodukte aus. Der Großteil der Produkte, die ihr in euren Händen halten werdet, sieht ungefähr so aus: Verpackung komplett aus Plastik (meist mindestens 3 unterschiedliche Plastikmaterialien) und ein Produktpreis unter 5,- Euro. Jetzt fragt euch mal selbst: Wie kann ein Produkt mit solch günstigen Inhaltsstoffen und verpackt in Plastik Naturkosmetik sein? In den 5,- Euro sind noch Mehrwertsteuer, ein großer Teil für die Drogerie und ein Gewinn für den Hersteller enthalten. Der tatsächliche Wert des Produkts beläuft sich also im Cent-Bereich. Wie soll das echte Naturkosmetik sein? Die Antwort: Sie ist es nicht. Sie ist weder natürlich noch nachhaltig. Aber versteht mich an dieser Stelle nicht falsch, ich würde mir wünschen, dass es möglich ist zu einem niedrigen Preis echte natürliche Kosmetik zu produzieren. Aber das ist im Jahr 2020 einfach nicht möglich.

Wir haben also eine Handvoll Naturkosmetiksiegel. Jedes mit verschiedenen Herstellern im Hintergrund. Jedes mit Kriterien, die sich toll anhören, aber im Realitätscheck komplett durchfallen. Und jetzt noch ein letzter Punkt, der euch so vielleicht gar nicht bewusst ist. Es werden nicht einfach alle Produkte auf dem Markt der Reihe nach getestet und dann entweder mit einem Siegel versehen oder eben nicht. Nein. Ein Siegel muss man beantragen und bezahlen. Und zwar wendet man sich an eines der zertifizierten Labore (zertifiziert natürlich gegen Geld) und bezahlt dort für die Prüfung eines oder mehrerer Produkte und die Nutzung des Siegels auf den jeweiligen Produkten. Falls ihr euch jetzt fragt, was es wohl kosten mag ein Produkt zu zertifizieren, die Antwort ist: mehr als 5.000,- Euro pro Produkt. Dafür fahren und fliegen dann Prüfer durch die Gegend und haken die Liste der Kriterien ab. So ein Siegel hat man dann für 2 Jahre pro Produkt. Dann muss es erneut geprüft werden. Dass ein Siegel etwas kostet möchte ich an sich nicht kritisieren. Da steckt Arbeit dahinter, das hat einen Preis. Was ich kritisiere ist die Höhe der Kosten, die Umweltbilanz einer Prüfung und das fragwürdige Geschäftsmodell dahinter.

Ich habe euch nun die - meiner Meinung nach - drei wesentlichen Kritikpunkte zu den bestehenden Naturkosmetiksiegeln genannt. Nicht unabhängig. Nicht aussagekräftig. Viel zu teuer. Aus diesen Gründen haben wir uns bei cult.care gegen ein Siegel entschieden. Ich habe lieber kein Siegel und erkläre das gegenüber meinen Kundinnen, als dass ich bei solch fragwürdigen Zertifizierungen mitmache. Würde es ein Siegel geben, das wirklich unabhängig, aussagekräftig und fair bepreist ist, dann ist cult.care sofort dabei. Aber das gibt es bislang noch nicht und alle Bemühungen unsererseits in dieses Richtung tragen bislang keine Früchte.

Für euch bedeutet das (leider), dass ihr noch immer in der Verantwortung seid, euch mit den Inhaltsstoffen von Kosmetika auseinanderzusetzen. Wenn ihr das hier lest, habt ihr euch aber zum Glück eine der Marken ausgesucht, die es euch einfach machen, alles zu prüfen.

Eure Kira.

Älterer Post Neuerer Post